Internationale Studierendenwoche in Ilmenau 2019

Datum: 17 – 26 May 2019
Veranstaltungsort: Ilmenau, Deutschland
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Die „Internationale Studierendenwoche in Ilmenau“ (ISWI) ist eine von Studierenden organisierte Konferenz für Studierende. Sie findet alle zwei Jahre auf dem Campus der Technischen Universität Ilmenau statt.

Über 370 Teilnehmer aus mehr als 70 verschiedenen Ländern nahmen 2017 an der letzten ISWI teil. Im Vergleich zu anderen ähnlichen Veranstaltungen ist die ISWI bekannt für den Fokus auf Gruppenarbeit, Vorträgen und Diskussionen zu einem bestimmten Schwerpunktthema, dem die Konferenz gewidmet ist. Als Hauptthema versucht das Organisationskomitee immer wieder Spannungsfelder zu finden, die die aktuellen Probleme und Entwicklungen in der Welt einbeziehen.

Das Hauptziel der ISWI ist es, junge Menschen aus aller Welt zusammenzubringen und als Plattform für den Austausch und das gegenseitige Kennenlernen sowie für Diskussionen und die Erarbeitung von Ideen zur Lösung aktueller Probleme zu dienen. Die offizielle Sprache der Konferenz ist Englisch.

Jede ISWI widmet sich einem anderen Thema. Für 2019 haben wir das Thema „Tradition und Wandel“ mit dem Motto gewählt:

Changes and Choices: Good by(e) Tradition?

(zu Deutsch: „Vom Wandel und von Möglichkeiten: Auf (ein) Wiedersehen, Tradition?“ )

Was wäre unsere Welt heute, wenn die Traditionen nie in Frage gestellt worden wären? Wie wäre sie, wenn es Leute wie Desmond Tutu und Nelson Mandela, Simone de Beauvoir und Rosa Parks oder Martin Luther King nicht gegeben hätte? Sie und viele andere haben uns inspiriert, das Thema der Internationalen Studierendenwoche in Ilmenau 2019 zu finden: Tradition und Wandel.

„Vom Wandel und von Möglichkeiten: Auf (ein) Wiedersehen, Tradition?“ ist das Motto der bevorstehehnden Konferenz. Angetrieben von der Spannung und dem scheinbaren Widerspruch zwischen Tradition und Wandel möchten wir uns mit der globalen Perspektive befassen.  Das Motto lädt uns ein, die Wechselwirkung von Traditionen, Veränderungen und Entscheidungen zu erkennen und fördert gleichzeitig eine tiefere Auseinandersetzung und Sensibilisierung. Führen unsere Entscheidungen auf ein Wiedersehen mit der Tradition oder ist es in manchen Fällen an der  Zeit „Auf Wiedersehen Tradition“ zu sagen?

(Photo by Max Richter)
Tanzen während des World Food Festival zur ISWI 2017 (Foto von Max Richter)

In vielerlei Hinsicht wird unser Leben von Strukturen, Verhaltensweisen und Einstellungen beeinflusst, die wir nicht selbst entwickelt haben, sondern von unseren Vorfahren, Verwandten oder Mitmenschen übernommen haben. Ob Traditionen mündlich oder schriftlich, innerhalb einer Gruppe oder von Generation zu Generation weitergegeben werden, es scheint unmöglich, sich der Beeinflussung durch sie zu widersetzen. Vielmehr bilden Traditionen unsere Kulturen und haben einen entscheidenden Einfluss auf unsere Identität und Gemeinschaft. Außerdem können sie zu komplexen religiösen, politischen, wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Systemen führen. Die Vernetzung und Abhängigkeit untereinander wird durch die Globalisierung voran gebracht. Auf diese Weise funktionieren und wirken Traditionen heute über Gemeinschafts- und Landesgrenzen hinweg. Diese Interdependenz stellt jedoch auch bestehende Traditionen in Frage.

„Alles fließt, nichts bleibt.“ Diese 2.500 Jahre alte Weisheit scheint angemessener denn je zu sein. Veränderungen, insbesondere technologische Veränderungen, vollziehen sich in einem noch nie dagewesenen Tempo. Die digitale Revolution und ihre disruptiven Technologien sind nur ein Beispiel für eine ganze Reihe von Veränderungen, die fast alle Aspekte des Lebens betreffen und sich auf Gesellschaft und Umwelt sowie auf politische und wirtschaftliche Entwicklungen auswirken. Aber auch die Tradition behauptet, konsequent zu sein. Dies scheint ein unlösbarer Widerspruch zu sein und führt oft zu einem unüberwindbaren Konflikt zwischen Tradition und Moderne. Fundamentalismus, zum Beispiel, ist ein Resultat. Aber schließen sich Tradition und Wandel gegenseitig aus? Müssen wir das eine ablehnen oder verwerfen, um das andere zu erreichen, oder können sie konfliktfrei nebeneinander existieren? Können sie sich möglicherweise gegenseitig ergänzen und fördern?

In 30 Arbeitsgruppen bieten wir die Möglichkeit, über die Landesgrenzen hinaus in spezifische Interessengebiete einzutauchen. Statt einer schnellen und allgemeinen Lösung möchten wir verschiedene Perspektiven eröffnen und beide Seiten – Tradition und Wandel – kritisch hinterfragen. Diese kritische Sichtweise ist aus unserer Sicht wichtig, um eine weltweite Solidargemeinschaft zu erreichen, in der jede*r Einzelne sozial und wirtschaftlich sicher ist und frei von Diskriminierung und Gewalt leben kann. Es stärkt das gegenseitige Verständnis, da es uns einlädt, unsere eigene Sichtweise und Gewohnheiten zu hinterfragen und gleichzeitig die Sichtweise unseres Gegenübers zu verstehen. Kritisch zu sein, kann bedeuten, die Wurzeln, Bedeutungen, Implikationen und Auswirkungen nicht nur lokal, sondern global in Frage zu stellen. Wie könnten bestimmte Traditionen mit Menschenrechten, Klimawandel und globaler Gerechtigkeit verbunden sein? Welche Übergänge stehen uns bevor und welche würden wir uns für die Zukunft wünschen? Wie können wir sie aktiv gestalten?

Während der ISWI 2019 wollen wir diese Fragen mit dir gemeinsam besprechen. Unsere Studierendenkonferenz wird es den Teilnehmenden ermöglichen, sich in einer verständnisvollen und toleranten Atmosphäre zum Gedankenaustausch in einem offenen Dialog zu treffen. In Workshops, Diskussionen, Vorträgen, Gruppenarbeiten und persönlichen Gesprächen hast du die Möglichkeit, Argumente, Erfahrungen und Ideen zu Themen auszutauschen, die für dich wichtig sind. Wir wollen unsere Rolle als Verantwortliche in der Gesellschaft diskutieren, um Lösungen für bestehende Probleme zu entwickeln und gemeinsam Verantwortung zu übernehmen. Wir möchten uns auf die Idee konzentrieren, dass jeder unsere Zukunft beeinflussen kann – be the change!

Die Menschen hinter der ISWI: Der Verein ISWI e.V.

(Photo by Max Richter)
International Brunch zur ISWI 2015 (Foto von Max Richter)

Der „Initiative Solidarische Welt Ilmenau e.V.“. (ISWI e.V.), gegründet 1992, ist ein eingetragener Verein und eine NGO unter der Leitung von Studierenden, die die Projekte ehrenamtlich organisieren. Sein Status ist der einer gemeinnützigen und wohltätigen Organisation. Wir haben uns zum Ziel gesetzt, soziale Ungleichheit, Rassismus und Intoleranz zu bekämpfen und das gegenseitige Verständnis zu fördern. Um dieses Ziel zu erreichen, organisieren wir Projekte, die das Bewusstsein für aktuelle Probleme schärfen und eine offene Plattform bieten, um sich gegenseitig kennenzulernen, sich auszutauschen und Lösungen für diese Probleme zu erarbeiten. Unser Hauptprojekt, die „Internationale Studierendenwoche in Ilmenau“ (ISWI), findet seit 1993 alle zwei Jahre an der Technischen Universität Ilmenau statt.

Wenn du an weiteren Informationen über den ISWI e.V. und seine Projekte interessiert bist, besuche bitte unsere Homepage iswi.org.

Unsere Schirmherrin: Waris Dirie

Menschenrechtsaktivistin, Autorin, ehemalige UN-Sonderbotschafterin, ehemaliges Supermodel

Waris Dirie

Waris, 1965 in Somalia als Tochter einer nomadischen Familie geboren, sah sich unterdrückenden soziokulturellen Bedingungen ausgesetzt. Mit ihrer Entschlossenheit und Zielstrebigkeit reiste sie gegen alle Widerstände nach London, wo sie sich als Supermodel etablierte. Angefangen mit der Veröffentlichung ihrer inspirierenden Geschichte in einem Buch namens „Wüstenblume“ („Desert Flower“) im Jahr 1997, später ein international anerkannter Bestseller, änderte sie ihren Karriereweg zur Menschenrechtsaktivistin.
Im Alter von fünf Jahren erlitt Waris eine weibliche Genitalverstümmelung (FGM- Female Genital Mutulation). Die schädliche Praxis der FGM betrifft täglich etwa 8.000 Mädchen in verschiedenen Teilen der Welt. Nachdem Waris selbst mit zahlreichen Kämpfen konfrontiert war, beschloss sie, alte soziokulturelle Normen in Frage zu stellen, um junge Mädchen und Frauen durch ihre Mission im Kampf gegen weibliche Genitalverstümmelung zu stärken. Von 1997 bis 2003 war sie UN-Sonderbotschafterin für die Abschaffung der weiblichen Genitalverstümmelung.

Die „Desert Flower Foundation“ wurde 2002 von Waris selbst gegründet und verfolgt das klare und wichtige Ziel, weibliche Genitalverstümmelungen weltweit zu beseitigen. Mit Programmen zur Sensibilisierung, Aufklärung und Vermittlung, direktem Sponsoring und der Behandlung von Opfern ist die Desert Flower Foundation ihrem Auftrag weiterhin treu geblieben. In Anbetracht der vielfältigen Aspekte, die bei der Behandlung des Problems eine Rolle spielen, arbeitet die Stiftung vor Ort mit den betroffenen Gemeinden zusammen und kooperiert gleichzeitig mit Partnern auf der ganzen Welt.
Waris macht weiterhin einen Unterschied im Leben zahlreicher Mädchen auf der ganzen Welt. Ihr Mut und ihre Entschlossenheit, ihrer gewählten Sache nachzugehen, ist ein gutes Beispiel für ein zielgerichtetes Leben.

Grußwort von Waris Dirie

„With immense pleasure, enthusiasm and hope, I support the International Student Week in Ilmenau 2019 ‘Tradition & Transition’ bearing the motto „Changes and Choices: Good by(e) Tradition?“. Through this letter, I gladly accept the role of Patron of the conference and appreciate the efforts of its organisers at ISWI e.V.

The conference is a brilliant opportunity for the global youth to engage in discussions, discover variations of culture and to build bridges towards a worthwhile future. It is certainly an effective platform encouraging collective efforts to find solutions to the many challenges we face as a global community. Even as we make rapid technological advancements, the world we live in is shaped by the traditions that have evolved over generations. While many of our familiar traditions are worth treasuring, it is imperative to challenge harmful and demeaning practices. The thought-provoking topic of the conference invites its participants to introspect, reflect and understand how meaningful transitions can be possible while harnessing the positive influence of traditions.

I am hopeful that the participants of ISWI 2019 will discuss and design the traditions of tomorrow, traditions that embody compassion, mutual respect, sustainability, and curious exploration. I extend my best wishes to the organisers for hosting this ambitious gathering. To the collaborators and contributors, I request your support to make this conference a success.“

Unser Schirmherr: Rob Hopkins

Umweltaktivist, Mitbegründer des „Transition Network“, Autor, Social Entrepreneur

Rob Hopkins

Rob wurde 1968 in Chiswick, London, geboren und bereiste in seinen Jugendjahren viele Länder und verfügt über mehrjährige Erfahrung in den Bereichen Bildung, Lehre, Permakultur und Naturbau. Er hat einen MSc in Sozialforschung und 2010 einen PhD an der Universität Plymouth mit dem Titel „Localisation and resilience at the local level: the case of Transition Town Totnes“ abgeschlossen.

Rob ist ein engagierter Verfechter des Übergangs von konventioneller, nicht erneuerbarer Energie zu nachhaltigeren Formen. Als prominenter Vordenker in der Umweltbewegung ist er auf Sendern wie BBC Radio 4 aufgetreten und hat auf Plattformen wie TEDGlobal gesprochen. Er hat mehrere Bücher geschrieben, darunter „The Transition Handbook“ und „The Power of Just Doing Stuff“.

Seine bemerkenswerteste Kreation, das „Transition Network“, beschreibt sich selbst als „eine Bewegung von Gemeinschaften, die zusammenkommen, um unsere Welt neu zu denken und aufzubauen“. Der Übergang fördert basisnahe, gemeindeorientierte Bemühungen zur Lösung dringender Probleme, die uns alle betreffen. Indem es soziale und kulturelle Integration ermöglicht, ist das „Transition Network“ ein mutiger Schritt, um unser Leben neu zu gestalten. Das Netzwerk erstreckt sich über 50 Nationen und beschäftigt Hunderttausende von Menschen.

Derzeit arbeitet Rob an einem Buch mit dem Titel „From What Is to What If“, das die Rolle der Phantasie bei der Veränderung unseres persönlichen und gesellschaftlichen Lebens untersucht (es soll im September 2019 im Chelsea Green Publishing veröffentlicht werden). Er ist auch Leiter einer innovativen Handwerksbrauerei und ein leidenschaftlicher Gärtner.

Grußwort von Rob Hopkins

„It is a great honour for me to have been asked to be the Patron of the 2019 ISWI conference. This year’s theme of ‚Tradition and Transition‘ is a timely and fascinating one. It both challenges notions of ‚tradition‘ and what from the past we should sort through and pick out to carry forward with us, and what we should leave behind. We are living through the sixth Great Extinction, and a time of climate emergency. The scale of the changes the science demands of us in terms of what needs to be done in order to ensure humanity survives is huge. Therefore, the exploration of what ‚Transition‘ means, both in the terms the Transition movement uses it, and more widely, is deeply important. The Transition movement has been an experiment, now active in over 50 countries, of communities exploring how this shift might look if led by communities. It offers many learnings and insights. […]

I urge the widest possible diversity of students and young people to participate. At a time when School Strikes for the Climate are rising up around the world, when a new spirit of rebellion around climate change is accompanied by imaginative and bold solutions-building work at all levels, this truly is a time of Transition. […] I wish everyone involved an amazing event, and I look forward to seeing how it unfolds.“


Grußwort des Rektors der Technischen Universität Ilmenau Prof. Peter Scharff

Univ.-Prof. Dr. rer. nat. habil. Dr. h. c. mult. Prof. h. c. mult. Peter Scharff Rector of Technische Universität Ilmenau (photo by TU Ilmenau)
Univ.-Prof. Dr. rer. nat. habil. Dr. h. c. mult.
Prof. h. c. mult. Peter Scharff
Rektor der Technischen Universität Ilmenau

„There is hardly any other conference at this university to which I more enjoy welcoming guests from all over the world than the International Student Week Ilmenau, or ”ISWI“. Not only because this is the biggest conference of its kind throughout Germany; it is about quality rather than quantity. For ten days, the International Student Week turns the Technische Universität Ilmenau into a peaceful microcosm crossing national borders. People from 70 different nations across all continents will gather in Ilmenau to discuss the question ”Changes and Choices – Good by(e) Tradition?“ in a peaceful atmosphere and to celebrate together. This is the reason why I am so happy to welcome you!

The guiding theme of ISWI – tradition this year, or justice, responsibility, freedom and human rights in the past – reflects the values we aim to promote with our Campus Family initiative at the TU Ilmenau: trust, openness, mutual respect, diversity and intercultural tolerance. I am very glad that ISWI fulfils this vision of a world family in having you, dear guests, here at the TU Ilmenau. During your days here, you become members of our Campus Family.

On each occasion, ISWI focuses on topics I very much support. They not only give the International Student Week at the Technische Universität Ilmenau an unmistakable character, but also lend the university as a whole a friendly atmosphere and a welcoming face. And with a smile I would like to welcome you to our university and wish you a wonderful time in Ilmenau.“